| Fachartikel in "Maschinenmarkt" |
Mai 2003 |
Jürgen Rönsch
Wie kann die Bahn für den Gütertransport attraktiver werden und mehr Ladungen von der Straße auf die Schiene ziehen? Eine Antwort auf diese Frage glauben die europäischen Schienennetzbetreiber nun gefunden zu haben. Aufbauend auf den bereits vorhandenen Schienen-Kooperationen North-South Freight Freeways (NSFF) und Belifret gründeten sie im vergangenen September Rail-Net-Europe (RNE), ein europaweites Netzwerk zur besseren Vermarktung und Auslastung von Eisenbahntrassen.
Rail-Net-Europe wendet sich an die mehreren hundert Eisenbahnverkehrsunternehmen in Europa, die mit eigenen oder geleasten Zügen Transporte über Strecken verschiedener Bahngesellschaften, sogenannter Schieneninfrastrukturanbieter, anmieten. Claudia Münchow, Pressesprecherin bei der Deutschen Bahn AG: Das Problem bei der Planung und Nutzung von Trassen, insbesondere bei europäischen Transporten, lag in der Vergangenheit vor allem in den unterschiedlichen Bedingungen der jeweiligen Bahnanbieter. Sollte zum Beispiel ein Zug von Deutschland nach Spanien fahren, bedeutete dies für den Transporteur in der Regel sehr viel Vorbereitung und Abstimmungsarbeit. In jedem Land, das durchfahren wurde, mussten Preise für die Gleisnutzung erfragt, die entsprechende Teil-Trasse gebucht und am Ende Rechnungen in zum Teil unterschiedlichen Währungen zusammengefasst werden. Was hinzu kam, waren die im Vorfeld zu klärenden rechtlichen Bedingungen für bestimmte Transportgüter oder Überbreiten. Nicht selten, so Münchow, musste dies in mehreren Sprachen erfolgen.
Mit Rail-Net-Europe wird sich dieser Aufwand nach Auffassung der 18Gründungsmitglieder nun entscheidend vereinfachen. Weil in dem Verbund Schienennetzbetreiber aus fast allen EU-Ländern sowie aus Norwegen, Ungarn und der Schweiz vertreten sind, gibt es, so die Überzeugung der RNE, nicht nur eine bessere Abstimmung, sondern auch eine deutliche Beschleunigung der Abwicklung. Wörtlich heißt es dazu in einer Presse-Mitteilung zur Gründung von Rail-Net-Europe: Über den Abbau betrieblicher und administrativer Barrieren hinaus sollen gemeinsame Marketing- und Vertriebsstrukturen aufgebaut und somit die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene entscheidend verbessert werden. Letztlich wird Rail-Net-Europe gegenüber den Kunden wie ,ein europäischer Schieneninfrastrukturanbieter auftreten. Nationale Netzzugangsregelungen werden durch den Vertrag nicht berührt.
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